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Einleitung
„ Ohne Huf kein Pferd“ Dieser alte und oft zitierte Ausspruch hat bis heute seine Gültigkeit erhalten, denn immer wieder müssen wir feststellen, wie drastisch Huf- und Hornerkrankungen auf die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Pferde einwirken können.
Aus diesem Grund befassen sich Menschen seid Jahrtausenden damit, den Huf vor äußeren Einflüssen und vor zu starker Abnutzung zu schützen. Im Laufe der Zeit wurden die Hufe einer stetig steigenden Belastung im Pferdesport ausgesetzt, die zwangsläufig zu Störungen in der Balance zwischen Hornabrieb und Hornnachschub führt. Schon im Altertum hatte man erkannt, wie der Huf konstruiert ist, welche Funktionen er erfüllen muss und dass elastische Materialien eine besserer Stoßdämpfung und Hufschutzfunktion bewirken. Warum es nun so wichtig ist, den Huf so gut wie möglich zu schützen und wie das heutzutage individuell mit Hilfe verschiedener Hufschutzarten möglich ist, soll im Folgenden erläutert werden.
Aufbau des Hufes
Der Huf ist eine modifizierte Haustruktur, die speziell zur Aufnahme der Körperlast und zur Stoßdämpfung an den Gliedmaßen ausgebildet ist. Er besteht aus zwei wesentlichen Anteilen, der Hornkapsel und den darin befindlichen Strukturen (Hufbein, Huflederhaut, Hufknorpel, Hufgelenk, unterer Teil des Kronbeins, Bursa Podotrochlearis, Strahlbein, Aufhängeapparat des Hufbeins, Sehnen, Bänder, Blutgefäße und Nerven) und beginnt direkt unter dem Kronwulst. Das Horn wird von der blättchenförmigen Lederhaut im Bereich der Krone gebildet und schiebt sich als Hornröhrchen im Laufe des weiteren Wachstums in Richtung Tragerand vor. Zwischen den Hornröhrchen liegt das Zwischenröhrchenhorn, das für den Zusammenhalt der Hornzellen verantwortlich ist.

Abb.1: Aufbau der Hornkapsel (aus: McEwen, Horse Care, 2000)
Die Hornkapsel bzw. der Hornschuh wiederum gliedert sich in mehrere Abschnitte unterschiedlicher Lokalisation und Hornbeschaffenheit von oben nach unten in Kron-, Wand, -Sohlen, -Strahl und Ballenregion und dient dem Schutz der darunter liegenden Strukturen.
Die Verbindung zwischen der nicht sensitiven Hornkapsel einerseits und dem Hufbein und den angrenzenden Strukturen andererseits geschieht über die Lederhäute der einzelnen Abschnitte, die sich, wie bei der Hornkapsel auch, in Saum-, Kron-, Wand-, Sohlen-, Strahl- und Ballenlederhaut unterscheiden lässt. Diese Lederhäute sind stark von Blutgefäßen und Nerven durchzogen und bilden den sensitiven Anteil des Hufes. Um eine möglichst große Oberfläche für diese wichtige Verbindung zu schaffen, hat die Natur die Lederhäute in Form kleiner Blättchen angelegt, die sich in Primär- und Sekundärblättchen unterteilen lassen.
Genau diese Blättchenform findet sich auch im inneren Teil der Hornkasel wieder, die auf diese Weise eine sehr effektive und großflächige Verzahnung zwischen der epidermalen Hornwand und der knöchernen Struktur des Hufbeins bildet. Eine Aneinanderreihung dieser Blättchen von der Kronregion bis zum Tragerand führt dann zu der typischen Lamellenform der beiden Anteile, die z.B. nach der Ablösung oder des Entfernens der Hornkapsel im Verlauf der Hufrehe sichtbar wird.

Abb.2: Lamellenform der Wandlederhaut im Naturpräparat (aus; McEwen, Horse Care, 2000)
An Hand von ultrastrukturellen Untersuchungen weiß man heute, dass das Hufbein über den sogenannten Hufbeinträger hängemattenartig in der Hornkapsel aufgehängt ist. Dieser Aufhängeapparat befindet sich im Wandabschnitt des Hufes und besteht u.a. aus parallelfaserigem kollagenen Bindegewebe. Schwächungen des Hufbeinträgers bzw. des Aufhängeapparates können z. B. in Form eines Vollhufes sichtbar werden. Ist diese Aufhängung wie im Fall der Hufrehe extrem gestört, so kommt es auf Grund der Einwirkung der Körperlast je nach Schweregrad der Erkrankung innerhalb von Stunden oder Wochen zu typischen Lageveränderungen des Hufbeins innerhalb der Hornkapsel verbunden mit dramatischen Schmerzzuständen für das Pferd.
Funktion des Hufes
Eine wichtige Aufgabe des Hufes besteht darin, durch unterschiedlich elastische Strukturen, einwirkenden Stöße und Druckkräfte abzufangen bzw. zu dämpfen. Wie bedeutend diese Stoßbrechung für das Pferd und den Huf ist, haben biomechanische Untersuchungen gezeigt, aus denen Kraftmessungen am Huf bei Belastung hervorgehen, die bis zum 3,85-fachen des Körpergewichtes reichten. Solche enormen Kräfte müssen erst einmal kompensiert werden, was bei steigender Belastung unserer Sportpferde zunehmend schwieriger wird. Es können bei permanent ungedämpfter Stosseinwirkung auf das Skelettsystem und insbesondere auf die unteren Gliedmaßenanteile deutliche degenerative Veränderungen an Knochen, Gelenken, Gelenkknorpel, Sehnen und Bändern auftreten, die dann als Knochenzubildungen, Knochenauflösungen, Sehnen- und Bandverkalkungen, Knorpelschädigungen, Arthrosen etc in Erscheinung treten.
Die Hornkapsel ist, wie schon erwähnt, kein starres, gleichförmiges Gebilde, sondern aus mehreren unterschiedlich elastischen Abschnitten zusammengesetzt, die während der Be- und Entlastung Formveränderungen erfahren und die im Zusammenhang mit dem sogenannten Hufmechanismus stehen.
Wie sich die Hornkapsel bei der Be-und Entlastung verformt, konnte anhand neuere Studien unter Verwendung von Computermodellen gezeigt werden.
In der Belastungsphase wird das auf das Hufbein als Druckkraft lastende Körpergewicht im Huf durch den erwähnten Hufbeinträger in eine Zugbelastung verwandelt, die an der Innenseite der Hufwand angreift. Der Hufrücken weicht dabei nach hinten und unten, die Trachten erfahren eine seitliche Auslenkung, wobei sich die Trachtenwände gering nach hinten außen verschieben und dies mehr im oberen Teil als im Unteren.
In der Entlastungsphase kehren die erwähnten Hufpartien der Elastizität der Gewebe folgend hauptsächlich aber durch die hinteren Abschnitte im Bereich der Trachten, Ballen und Hufknorpel in ihre Ausgangsposition zurück.

Abb.3: Hufmechanismus während der A Belastung, B Entlastungsphase (König, 2001)
Die eigentliche Funktion dieses Mechanismus besteht nun darin, auf die hämodynamischen Funktionen der venösen Gefäße der hinteren Zehenpartie einzuwirken und den Abtransport venösem Blut aus dem Bereich der Huf-, Ballenpolster und der Hufknorpel entgegen der Schwerkraft zu fördern. Da die Durchblutung des Hufes über wenige große Blutgefäße aber eine Vielzahl kleinerer Gefäßnetze geschieht, muss besonders auf einen intakten Zufluss an nährstoffreichem Blut und den Abfluss des „verbrauchten“ Blutes geachtet werden. Das Sprichwort „Wo Blut ist, da ist Leben“ stimmt auch hier, denn kommt es an der Zehe zu Durchblutungsstörungen, hat das im Allgemeinen sehr negative und dramatische Auswirkungen auf die beschriebene Verbindung zwischen Hornkapsel und Hufbein aber auch auf die Vitalität sämtlicher Gewebe im Hufbereich.
Gewährleistet wird die Fähigkeit einer spezifischen Formveränderung durch die unterschiedlich elastischen Hornabschnitte der Hufkapsel. Während die vordere und die seitliche Hufwand eher aus fest-elastischem Horn gestaltet sind, kann man beim Strahl und dem Ballen eine weich elastische Hornkonsistenz beobachten. Anatomisch-histologische Untersuchung an Hornproben der einzelnen Regionen am Huf haben gezeigt, dass sich das Kronhorn als sechsmal härter im Vergleich zum weichen Ballenhorn herausgestellt hat.
Was bedeutet eigentlich Hornqualität?
Die qualitätsbestimmenden Faktoren der Hornsubstanz werden unter drei wesentlichen Kategorien zusammengefasst.
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Die sogenannte Architektur der äußeren Hornschicht gibt an, wie die von den Hornzellen gebildeten Hornröhrchen gestaltet sind, d.h. wie der Anteil von Hornröhrchenmark zu Hornröhrchenrinde ist.
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Interzelluläre Eigenschaften, d.h. Zusammensetzung, Menge und Verteilung des Zwischenröhrchenhorns
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Intrazellulare Eigenschaften, d.h. welcher Verhornungstyp (harte oder weiche) liegt vor, sowie Art, Anordnung und Verknüpfung der in den Hornzellen befindlichen Keratineiweiße
Anhand von vergleichenden Untersuchungen zwischen dem hartem Kronhorn und dem weichen Ballenhorn konnte gezeigt werden, was die Festigkeit der einzelnen Hornabschnitte bestimmt.

Abb.4: Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme einer Hornprobe aus dem Wandsegment. Die Pfeile zeigen die Vielzahl an Zusammenhangstrennungen im lockeren Keratingerüst (↑).

Abb.5: Rsterelekronenmikroskopische Aufnahme der gleichen Hornprobe aus dem Wandbereich nach Behandlung. Die Hornröhrchen (T) sind wesentlich besser strukturiert und es liegt ein deutlich festerer Hornzellverband vor.
Es wurde beobachtet, dass die Hornröhrchen im harten Kronhorn runde Querschnitte haben, wesentlich mehr Rinde als Mark aufweisen, groß sind und nur wenig aber regelmäßiges Zwischenröhrchenhorn vorhanden ist. Die Hornzellen werden durch geringe Mengen an glykoproteinreichen Interzellularkitts unverschieblich und fest miteinander verbunden und verleihen diesem Abschnitt seine mechanische Festigkeit. Ebenso ist ein hoher Anteil an schwefelhaltigen Eiweißverbindungen für einen ungestörten Verhornungsprozess bedeutend.
Beim weichen Ballenhorn dagegen, das wegen seiner elastischen und stoßdämpfenden Eigenschaft möglichst flexibel sein soll, sind die Röhrchen queroval, haben deutlich mehr Marksubstanz und viel mehr verschiebliches Zwischenröhrchenhorn.
Der Interzellularkitt besteht hier aus großen Mengen von Glykolipiden, die eher eine flexible Verbindung zwischen den Hornzellen herstellen.
V. Welche Faktoren beeinflussen die Hornqualität?
Das Hufhorn ist sozusagen wie ein Indikator zu verstehen, der angibt wenn Nährstoffe fehlen oder zu viel vorhanden sind, wechselnde hormonelle Zustände vorliegen, bestimmte systemische Erkrankungen vorhanden sind oder an der Umgebung etwas nicht in Ordnung ist.
Grundsätzlich gibt es innere und äußere Einflüsse, die als qualitätsbestimmende Faktoren Hornes zu nennen sind.
Die wichtigsten inneren Faktoren:
Ein wichtiger endogener Faktor ist die Vererblichkeit der Hornqualität. Sicherlich haben auch Sie schon feststellen können, wie schlechte Hornsubstanzen aber auch unregelmäßige Hufformen auf nachfolgende Generationen übertragen wurden. Das einzige Hilfsmittel in dieser Situation kann nur der Ausschluss dieser Pferde von der Zucht bedeuten bzw. eine genauere auf die Huf- und Hornqualität gerichtete Selektion.
Zu den inneren Faktoren gehört in jedem Fall auch eine qualitativ ausreichende Ernährung und Versorgung mit Nährstoffen, die für den Aufbau von physiologischer Hornmasse notwendig sind. Viele Studien haben gezeigt, dass Mängel an Stoffen, wie Biotin, Zink, Kupfer, Kalzium, schwefelhaltigen Aminosäuren und Eiweiße zu deutlichen Qualitätsverlusten in der Hornsubstanz führen. Jedoch haben neuere Untersuchungen ergeben, dass für den Aufbau gesunder Hornmasse eine allumfassende Substitution der relevanten Nährstoffe erfolgreicher ist als die vergleichbare Einzelnährstoffergänzung. Dieses kann nämlich in extremen Fällen die Verdrängung einzelner Nährstoffe bedeuten, wie im Falle von übermäßiger Kleiefütterung, deren hoher Phosphorgehalt die Kalziumverfügbarkeit stört.
Ähnlich gefährlich ist die zu hohe Verabreichung von Selen als Einzelstoff, der zu Vergiftungen in Form von Kronsauminfektionen mit nachfolgenden Zusammenhangstrennungen der Hornwand führen kann. Zuviel an schwefelhaltigen Aminosäuren können die Resorption von Kupfer und Zink aus dem Darm stören bzw. behindern.
Die wichtigsten äußeren Faktoren:
Als bedeutender exogener Einfluss auf die Hornqualität ist die Umgebung und das Stallmanagement zu nennen.
Hier hat man erkannt, dass insbesondere zu hohe Feuchtigkeitseinwirkung und nachfolgende Infektion mit hornzersetzenden Keimen Hauptursachen für den Hornuntergang darstellen. Trockenes Horn hat sich als wesentlich widerstandsfähiger erwiesen als feuchtes bzw. durchnässtes Horn.
Wenn die natürlichen Barrieren erst ein mal zerstört sind, steht dem Eindringen an schädigenden Faktoren nichts mehr im Wege, wie Ammoniak, Bakterien, Pilze aus dem Mist und dem Boden. Auch Fremdkörper könne sich in die Spalten und Risse setzten und zu Geschwüren und Entzündungen führen.
Trockene Aufstallung und vor allem regelmäßige trockene Reinigung der Hufe ist die beste Art den Huf zu pflegen. Man hat zudem feststellen müssen, dass häufiges Abwaschen der Hufe mit anschließender Fettung und Versiegelung den Huf nicht geschmeidiger macht, sondern eher das Einschließen von Keimen fördert, die dann für den Abbau des Hornes verantwortlich sind. Verwenden Sie daher nur Pflegemittel, die luftdurchlässig sind und den Feuchtigkeitsaustausch des Hufes auf keinen Fall stören. Auch Hornfestiger haben sich oft als ungünstig in genau diesem Zusammenhang erwiesen.
Natürlich stellt auch der richtige Beschlag des Hufes einen nicht zu vernachlässigen Faktor in der Hufgesundheit dar. Permanent falsch beschlagene Hufe können zu massiven Hufkapseldeformierungen, Hornspalten und Lahmheiten führen.
Werden die Hufe langfristig ungleich korrigiert, so resultieren Spannungszustände im Huf, die nicht nur zu Hornspalten führen, sondern auch zu Verformungen der gesamten Hornkapsel und zu Verdrehungen um die Längsachse der Gliedmaße. Fußt z.B. das Pferd permanent auf dem äußeren Tragerand, der durch den Schmied einseitig zu lang belassen wurde, so kommt es zu einer ständigen Rotation der Hornkapsel nach innen, was letztlich zur Ausbildung einer konvexen äußeren Hufwand und einer steilen inneren Hufwand führt.
VI. Auswahl des richtigen Hufschutzes
Aus den beschrieben anatomischen und physikalischen Gegebenheiten am Huf, wurde hoffentlich deutlich, wie wichtig es ist, dieses Organ „Huf“ in seiner Beschaffenheit zu erhalten bzw. zu schützen. Daher sprechen wir ja heute vom Hufschutz und nicht mehr zwangsläufig vom Beschlag. Um nun den richtigen Hufschutz für jedes Pferd zu finden, muss man sich zunächst klar werden, das jeder Hufschutz immer Vor- und Nachteile hat und es keinen gibt, der für jedes Pferd gleichermaßen optimal gestaltet ist. Jedes Pferd hat genau genommen vier verschiedene Hufe, multipliziert man das mit der Anzahl der Pferde, so führt das zu beachtlichen Zahlen individueller Konstruktionen, die eigentlich notwendig wären.
Welche Kriterien muss ein optimaler Hufschutz erfüllen:
1. Erhaltung der natürlichen Funktionen des Hufes (Stoßbrechung, Hufmechanismus)
2. Schutz der Hornsubstanz vor zu starkem Abrieb
3. Keine Behinderung des Bewegungsablaufes
4. Kosten-Nutzenrelation muss stimmen
Wichtiger Punkt bei der Auswahl des geeigneten Hufschutzes ist die Nutzung des Tieres. Handelt es sich um einen Hochleistungssportler oder wird das Pferd eher freizeitmäßig geritten, was die Intensität und Art der Nutzung zum Ausdruck bringt. Die Bodenbeschaffenheit ist ein weiterer Faktor, der berücksichtigt werden sollte. Ebenfalls muss die Hufform, die Gliedmaßenstellung und Gliedmaßenführung bei der Auswahl des geeigneten Hufschutzes beachtet werden.
VII. Tabellarischer Vergleich verschiedener nagelloser Hufschutzarten:
1. Schnallenhufschuhe:

2. Cuff-Hufschuhe:

3. Laschenhufschuhe:

5. Kunsthornhufschuhe:
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