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Kaltblut mit Hufschuhen

Gestatten, Carina und Olga !

Süddeutsches Kaltblut - Orginal Urlaubsmitbringsel aus Bayern

Bild von einer Kutsche Dieses Bild wurde von unserem Chef nicht der Hufschuhe wegen gemacht, sondern sollte eigentlich ein Erinnerungsphoto für die Fahrgäste sein. Aber unsere Schüchen kommen hier doch ganz toll raus !
Auch wir Damen freuen uns über schicke Schuhe und tragen sie gerne. Aber das ist eine lange
Geschichte:

Links angespannt ziehe ich - Olga - gerne den 'Anhänger' und gehe an der Seite von Carina und auf Zuruf unseres Chef und/oder unserer Chefin voll Vertrauen -fast- überall hin. Wir sind viel mit Kutsche unterwegs. Da werden meine vorbildlichen Superhufe barfuß ganz schön abgeschrabbt. So mache ich es wie die Menschen und ziehe Schuhe an, bevor es weh tut. Nach dem Fahren tobe ich auf der Weide wieder barfuß. Seit fast zwei Jahren klappt es prima, nur einmal wollte ich lieber hüpfen und buckeln und weil das vor der Kutsche nicht so gut funktioniert, kamen die tollsten Verrenkungen zustande. Dabei ist der linke Hufschuh abgegangen, aber dank der Bändchen nicht verloren. Der Chef war vielleicht sauer !

Rechts gehe ich - Carina, die dunklere - und ich bin neidisch auf Olgas gute Hufe. Früher in Bayern wurde ich immer beschlagen nach - wie die Menschen meinen - guter alter Väter Sitte :
Das Aufbrennen tat ganz schön weh, weil das Hufmaterial leider nicht fest war. Ich spürte die Hitze durch und durch. Wegen des lockeren Hornmaterials wurden dann drei Aufzüge angebracht und extra lange Nägel bis hoch 'ins Kniegelenk' ( so sagt mein Chef immer, aber der hat keine Ahnung ), so daß ich danach immer eine Woche lang nicht laufen konnte. Mein früherer Chef nannte es klamm gehen und kalkulierte das immer terminlich ein wegen der viele Festzüge, die ich gerne ging ( ich habe so manchen Segen auf den vielen Prozessionen bekommen ). Dafür hielt das Eisen drei Monate.
Der neue Chef in Preussen mußte lange suchen bis er einen mir angenehmen Hufpfleger fand. Zuerst wehrte ich mich heftigst, weil ich wieder Angst vor dem Brennen hatte. Dann sollten die langen Nägel wegbleiben mit der Konsequenz, daß jetzt alle vier Wochen die gleiche Prozedur erfolgte, weil im nicht nachgewachsenen Material die Nägel bei meinem Gewicht - so nennen die Zweibeiner meine imposante Masse - schnell abgehen. Die theoretische Lösung für den Chef waren Hufschuhe und auch mein Onkel Doktor fand das prima. Da kam dann der Fritze vom Nagelstudio.
( So nenne ich den Herrn Weißenborn scherzhaft, weil er immer Pony zu meinen 750 kg sagt. )

Den fand ich auf Anhieb sympatisch und blieb ohne Sedalin-Betäubung und sonstigen Tricks der schwachen Kreaturen einigermaßen ruhig stehen. Der Versuch mit Schuhen war toll. Sie passten, auch beim reiten hielten sie fest, aber barfuß auf der Weide freute ich mich zunächst, hatte dann aber ver- dammte Schmerzen und nach exakt 24 Stunden war eine Equipallazzone-Kur nötig. Ich hatte den Ärger : kein laufen und rennen auf der Weide, kein Ausflug mehr und zu allem Überfluß schimpfte der Chef auch noch über die hohen Kosten. Also : das war wohl nichts ! Jetzt wurden Öllöfs versucht. Das ging so lange gut, bis ich sie auf der Weide verloren habe. Wenn die Zweibeiner es nicht sofort merkten und der Nagel- studiofritze nicht unverzüglich zum reparieren kam, dann waren die o.g. 24 Stunden vorbei. Sollen die sich doch beeilen - ich verrate nicht, wann ich das Eisen ausgezogen habe. Leider hatte ich dann doch den Nachteil, weil es tat ja mir weh.

Zusätzlich wollte der Chef mir helfen mit Pülverchen. Puh, das Zeug schmeckt ja eklig, klebt auf der Zunge und staubt im Hals. Jetzt mogelt er es in mein gutes Müsli und glaubt ich merke es nicht. Naja, des lieben Friedens willen und weil das Müsli doch so gut schmeckt, esse ich es dann doch. Das Zeug, der Chef sagt Horsa oder Hoof Support dazu, soll sauteuer sein, aber das ist mir egal, schließlich ist fressen besser als bezahlen ! So nach gut einem Jahr sagte dann der Huffritze : 'Aus dem Bröselmaterial ist jetzt Hufmaterial geworden. Erst jetzt kann ich schneiden und raspeln. Früher war das nur ein Abschaben des losen Materials. Aber nachgewachsen ist immer noch nichts !' Er kratzte alle vier Wochen an meinen Füßen rum und jammerte, das er keine Nägel fest bekommt in dem früheren Bröselmaterial, dann zwar festem aber nicht nachgewachsenem Huf. Die alten Nagellöcher waren ja immer noch an der selben Stelle und so lange Nägel wie in Bayern wollte er -Gottseidank- nicht nehmen. Da blieb ich auch immer brav stehen.

Er bekam immer Horrorzustände, wenn der Chef ihn anrief. Letzten Spätsommer war er dann restlos mit den Nerven fertig und schlug voller Verzweiflung dem Chef vor es nochmal mit Schuhen zu versuchen, diesmal aber als permanente Dauerlösung (absichtlich doppelt gemoppelt) für immer auf Stall und Weide. Als theoretische Lösung fand der Chef das richtig, glaubte aber nicht an die Praxis, weil er bei Verlust der Schuhe wieder viel Equipallazzone befürchtete. Trotzdem wurde es versucht. Der Chef kam täglich zweimal mich auf der Weide besuchen und Hufschuhe suchen. Das war prima, denn der Chef hat immer etwas in der Hosentasche. Den linken Schuh habe ich jeden Tag ausgezogen und gut versteckt.
Ein Auffangbändchen haben die sich nicht getraut mit der Begründung :
Im Falle des unbeaufsichtigten Ausziehens schlabbert der Schuh am Fuß und wird dann auf die Dauer kaputtgetreten; dann lieber suchen gehen als kleineres Übel. Das fand ich lustig, der Chef nicht. Dann kam der Huffritze und baute in den linken Schuh ein neues Gummi ein und das Spielchen war leider vorbei.
Jetzt trage ich die Schuhe seit über drei Monaten und habe sie noch nie verloren, weder auf der Weide, noch im Stall, noch beim Chef rumschleppen ( er nennt das reiten ), noch beim Ausflug mit Anhänger ( Chef sagt Kutsche dazu ).
Eigentlich ist das ständige hufschuhtragen ganz praktisch: meine Füße tun nicht weh und ich habe nicht ständig den Streß mit dem Huffritzen und deer Chef ist auch zufrieden. Jetzt wünsche ich mir für den Winter nur noch ein Alternativpaar mit Stollen, weil es doch ganz schön glatt unterwegs ist.
Auf den Winterweiden macht das Rutschen richtig Spaß, aber beim Ausreiten ist es einerseits ganz schön lustig und spannend ( für den Chef nicht ), andererseits sind die Kumpels immer schneller und das nervt auch mich.
Der Huffritze glaubt sogar an künftiges Barfußlaufen, der Chef ist ungläubig und ob ich da mitspiele ist noch lange nicht raus.

Ich zeige meine Schüchen gerne. Kommt mich mal besuchen :
Carina und Olga Kirchner 56377 Seelbach Eschenhof
vgl. www.pferdepension-eschenhof.de
oder fragt mal unseren Chef Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.


26.05.2006

Aktualisiert (Donnerstag, 16. Juli 2009 um 10:31)

 
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